Öffentliche Anhörung: Die mittel- und längerfristigen Pläne der Deutschen Selbstverwaltung Fünfkirchen

Die am 5. Oktober veranstaltete öffentliche Anhörung nahm mit der Vorrede des Vorsitzenden der Deutschen Selbstverwaltung Fünfkirchen (DSF) ihren Anlauf, und wurde mit Beiträgen der anwesenden Mitglieder und Gäste fortgesetzt. Die seit einem Jahr amtierenden Mitglieder der Deutschen Selbstverwaltung Fünfkirchen stehen nach wie vor dazu, die bei der Gründung des Gremiums formulierten gemeinsamen Ziele zu verwirklichen.

Wegen der seit März 2020 bestehenden Pandemie-Situation sind gegenwärtig auch die Möglichkeiten der Nationalitätenselbstverwaltungen stark eingeschränkt, dennoch sind wir bestrebt, uns als wichtiges Zentrum des Ungarndeutschtums in der Stadt Fünfkirchen und in der Region für die Stärkung unserer Nationalität einzusetzen. Wir sind der Überzeugung, diesem Auftrag nur dann nachkommen zu können, wenn wir unsere bisherigen, bereits bewährten Initiativen in jeder Hinsicht optimiert weiterführen.
In diesem Jahr konnten wir leider nur einen Bruchteil unserer voraus geplanten Tätigkeiten verwirklichen, doch bezüglich der Zukunft sind wir durch erfreuliche Ereignisse in unserer Hoffnung gestärkt der Ansicht, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben:

  • Während des Sommers ist es uns gelungen, die auf dem Jókai Platz zweiwöchentlich durchgeführten Open-Air-Konzerte traditioneller Blasmusikkapellen weiterzuentwickeln. Der genannte Schauplatz erfreute sich großer Beliebtheit – dies haben unter anderem auch die zu den Platzkonzerten eingeladenen Blaskapellen eindeutig zum Ausdruck gebracht.
  • Trotz der schwierigen Situation ist es uns gelungen, unser bereits zur Tradition gewordenes Jugendcamp in Litowr zu veranstalten – und zwar unter Mitwirkung und durch die großzügige Unterstützung des Bethlen-Gábor-Fondsverwalters bzw. der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen. 50 angehende GymnasiastInnen konnten einen Einblick in den Alltag eines ungarndeutschen Dorfes bekommen, und hatten die Möglichkeit, bestimmte Inhalte des Schulfachs „ungarndeutsche Volkskunde” selbst zu erleben.
  • Am ersten Septemberwochenende war Herr Josef Noggler, Vorsitzender des Parlaments der autonomen Region Südtirol bei uns zu Gast. Als Ergebnis des inhaltsreichen Tages scheint die Zusammenarbeit zwischen der deutschen Gemeinschaft in Süd-Transdanubien und der deutschsprachigen Gemeinschaft in Südtirol, die vor 10-15 Jahren bedauerlicherweise unterbrochen wurde, intensiviert werden zu können.
  • Während des Dezembers planen wir aus bereits erworbenen Drittmitteln unser Projekt „traditionelles Schweineschlachten” zu verwirklichen. An zwei Dezemberwochenenden werden jeweils 20 GymnasiastInnen mit einer der wichtigsten Winterbeschäftigungen der Ungarndeutschen vertraut gemacht.

Das Jahr 2021 planen wir als „die Zeit des Erwachens” zu erleben, darum möchten wir unsere über ungarndeutsche Wurzeln verfügenden Mitbürger für das Erleben ihrer deutschen Identität sensibilisieren. Wir hoffen, dass sich bei der anstehenden Volkszählung mehr Leute zum Ungarndeutschtum bekennen werden als vor 10 Jahren; um dies erreichen zu können wollen wir all diejenigen, die dafür offen sind, in sämtlichen Bereichen unseres kulturellen Erbes ansprechen. Diese unsere Bestrebungen werden auch von MitarbeiterInnen des Nikolaus-Lenau-Kulturvereins sowie von der vor Ort tätigen Vertreterin des Instituts für Auslandsbeziehungen (IfA) unterstützt: mit ihnen sind wir täglich im Kontakt und arbeiten in zahlreichen Projekten als Partner zusammen.
Folgende Pläne basieren auf der Erweiterung und Neugestaltung unserer auch bisher erfolgreich durchgeführten Programme:

  • Ab 2021 möchten wir den Fünfkirchner Deutschen Tag jedes Jahr am 5. Mai veranstalten – das Datum soll eine symbolische Anspielung auf den deutschen Namen von Pécs sein. Wir sind der Überzeugung, an diesem Tag in der Innenstadt durch die Präsentation all der Elemente unseres Nationalitätendaseins allen Mitgestaltern und Interessierten ein bleibendes Erlebnis bieten zu können. Über den deutschen Tag im Frühling hinaus – insofern sich dieser als erfolgreich erweist – planen wir auch eine Feier im Herbst zu verwirklichen. Diese wollen wir bewusst nicht „Oktoberfest” nennen, weil dieses mit den Ungarndeutschen nichts zu tun hat. Wir hoffen bis 2022 den richtigen Brand dazu entwerfen zu können.
  • Uns auf die diesjährigen Erfolge berufend planen wir für den Sommer 2021, Liebhaber der ungarndeutschen Blasmusik auf den Jókai Platz zu neuen Open-Air-Konzerten einzuladen. Als Abschluss dieser Veranstaltungsreihe wollen wir am 29. August 2021 eine großangelegte Feier der ungarndeutschen Blasmusik veranstalten; den Anlass dazu bietet die Tatsache, dass es diese Platzkonzerte seit 25 Jahren gibt. Als Schauplatz dieser Feierlichkeit soll unseren Plänen nach der Széchenyi Platz dienen, daran teilnehmen sollen all die bisher zu den Konzerten eingeladenen Kapellen, die das Publikum mit einem Galakonzert erfreuen. Laut unserer vorherigen Kalkulation rechnen wir mit 150-200 Musikanten und mit mehreren tausend Zuschauern.
  • Am Vortag dieser Jubiläumsveranstaltung wollen wir eine Vernissage ungarndeutscher bildender Künstler organisieren: Ab den 28. August soll eine Ausstellung aus Werken von 3-4 ungarndeutschen Kunstmalern und Bildhauern zu besichtigen sein. Die Exklusivität des Projekts besteht laut unserer Vorstellungen darin, dass die Führungen durch die Ausstellung SchülerInnen ungarndeutscher Gymnasien übernehmen.
  • Für den 11. November 2021 planen wir einen Martinstagsaufzug – ebenfalls in der Innenstadt. Für dieses Projekt wollen wir all die Kindergartenkinder und die SchülerInnen der Unterstufen der ungarndeutschen Bildungseinrichtungen der Stadt gewinnen.

Unsere weiteren Pläne:

  • Wir möchten unsere Veranstaltungsreihe „Begegnung von Kultur und Kulinarik” fortsetzen. Im Rahmen dessen soll – wie auch bisher – eine deutschsprachige Theateraufführung präsentiert werden, und nachher soll das Publikum Speisen deutschsprachiger Länder kennenlernen. Der geplante Ort der Veranstaltung ist nach wie vor das Restaurant „Trafik”.
  • Aus dem obigen Programm ausgegangen wollen wir auch deutschsprachige Quizabende organisieren – ebenfalls in Trafik. Das geplante Ziel dieser Veranstaltungen ist, dass in unserer Stadt lebende Ungarndeutsche und Leute mit Deutschkenntnissen einen gemütlichen Abend zusammen verbringen.
  • Während des Jahres sollen mindestens zwei Wanderungen verwirklicht werden, die sich zum Ziel setzen, Bau- und Naturdenkmäler mit ungarndeutschem Bezug kennenzulernen. Geplant ist mit je 50 Teilnehmenden 15-20 Kilometer zu wandern und schließlich in Litowr anzukommen, wo der Ausflug durch eine ungarndeutsche Bewirtung abgerundet wird.
  • Die Reihe unserer Publikationen „Fünfkirchner Rundschau” soll auch 2021 fortgesetzt werden: Wir planen, mindestens zwei Nummern zu veröffentlichen.

Unsere Pläne hängen selbstverständlich von der Corona-Pandemie ab, wir hoffen aber, uns in den kommenden zwei Jahren weiter entfalten zu können, um uns am Ende der fünfjährigen Wahlperiode über eine in ihrer Identität und ihrer Anzahl gestärkte ungarndeutsche Gemeinschaft in Fünfkirchen erfreuen zu können.”